Ana Mendieta
Fiona Oehler
Model: Anna-Lena Schlamp
Ana Mendieta (1948 in Havanna – 1985 in New York) war eine kubanisch-amerikanische Künstlerin, die sich in den Bereichen Performancekunst, Land Art, Konzeptkunst, Malerei sowie Fotografie und Film bewegte. Sie war eine zentrale Person des „Body Art Movement“ und wird mit der ökofeministischen Kunstbewegung in Verbindung gebracht. Als Kind wurde Mendieta nach Amerika geschickt, um der Diktatur Castros zu entfliehen. Sie studierte Bildende Kunst und lebte hauptsächlich in New York. Im Alter von 35 Jahren stürzte sie, kurz nach ihrer Hochzeit mit dem Minimalismus-Künstler Carl Andre, aus bis heute ungeklärten Gründen aus dem 34. Stock ihres Wohnhauses.
Ein zentrales Thema von Mendietas Arbeit ist die Kombination von menschlichem Körper und Natur („Earth-Body Works“). Mit ihrem Körper als Ausdrucksmittel schuf sie Dialoge zwischen Landschaft und weiblichem Körper. Auch kubanische religiöse Rituale beeinflussten ihre Arbeit maßgeblich. Geprägt von ihrer eigenen Geschichte reflektieren Mendietas Werke ihre kulturelle, soziale und politische Realität: Sie beschäftigte sich mit der Unterdrückung, Entwürdigung und Ausbeutung von Frauen und der Erde, setzte sich mit dem menschlichen Körper und Sexualität auseinander und manipulierte nicht selten ihren Körper, um die Grenzen zwischen männlicher und weiblicher Identifikation verschwimmen zu lassen. Vor allem aber spiegelt sich in ihrer Arbeit auch persönlich Erlebtes wie Entwurzelung, kulturelle Vertreibung, Migration und der schmerzhafte Verlust wider.
Diese Serie erzählt die Geschichte Mendietas im Kontext ihrer Kunst und in Anlehnung an ihre Arbeiten. Hierbei werden folgende Motive und zentrale Bestandteile einiger ihrer Werke neu interpretiert und an die heutige Zeit adaptiert:
Federn: Die Azteken kreierten Masken aus Federn des heiligen Quetzal-Vogels. Ihr Gott „Quetzalcoatl“ war ein Mischwesen, das die Welten zwischen Himmel und Erde durchqueren konnte. So wurden die Federn zum Symbol des Reisens und des Übergangs. In den Ritualen der Santería ist der weiße Hahn ein bedeutendes Tier, das in einem Akt des Energienaustauschs vom physischen in den spirituellen Bereich geopfert wird.
Nelken: Mendieta arbeitete oft mit Pflanzen. In einer ihrer Performances verwendete sie Nelken, deren Symbolik von ihrer Farbe abhängt: Rote Nelken stehen für Liebe, aber auch für Widerstand und Revolution. Diese Pflanze kann symbolisch für Mendietas gesamtes Schaffen stehen.
Gestein: Die Natur zieht sich wie ein roter Faden durch Mendietas Werk. Durch ihre Körpersprache und den direkten Kontakt mit Naturmaterialien – etwa Gestein – wird die für ihre Arbeit existenzielle Verbindung zur Natur dargestellt.
Spiegel: Das Motiv des Spiegels steht bei Mendieta symbolisch für ihre persönliche Erinnerung und die schmerzhafte Trennung von ihrer Familie, insbesondere ihrer Mutter. Allgemein betrachtet, ist der Spiegel auch ein Symbol der Selbsterkenntnis und der Wahrheit.
Stoff / Baum: Die Performance „Cuilapán-Niche“, in der Mendieta mit einem weißen Laken interagiert, erinnert an Heiligenstatuen, den Umgang mit Leben und Tod sowie an Momente der An- und Abwesenheit. Ebenso ihr Werk „Tree of Life“, das Assoziationen zur spirituellen Transformation weckt.
Eine moderne Bildsprache mit sichtbarem Bezug zu ihrer Kunst soll Mendieta in der heutigen Zeit zum Leben erwecken, die Aktualität ihrer Botschaft aufzeigen und ihre Relevanz in die Gegenwart transportieren.